Zäune zum Wolfsschutz auf der Halbinsel Eiderstedt

11.10.2018

Umwelt- und Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht packte mit an

Umwelt- und Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht informierte sich über das Pilotprojekt zum Wolfsschutz auf der Halbinsel Eiderstedt und half unter großem Medieninteresse beim Setzen eines mobilen Schutzzaunes gegen den Wolf. Er musste sich jedoch auch kontroversen Diskussionen mit Landwirten und Schäfern stellen. Foto: Gieseler

KIEL/Eiderstedt (pa) -  Seit einiger Zeit werden immer wieder Wolfsichtungen und Zwischenfälle, bei denen Nutztiere durch Wölfe getötet oder verletzt worden sind, in Schleswig-Holstein registriert. Besonders schwierig stellt sich die Situation auf der Halbinsel Eiderstedt dar: Hier wird traditionell eine teilweise zaunfreie Beweidung praktiziert. Aus Sicht des Artenschutzes ist dies zwar als besonders positiv zu bewerten, Nutztiere sind in diesem Bereich allerdings stärker durch Wölfe gefährdet.

Nachdem der Umwelt- und Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht sich bereits im September sowohl vor Ort als auch bei einem Treffen im Ministerium mit betroffenen Tierhalterinnen und -haltern einen Überblick über die Situation verschafft hat, half er am 11. Oktober zusammen mit Mitarbeitern des schleswig-holsteinischen Wolfsmanagements bei der Errichtung eines Wolfschutzzaunes auf der Halbinsel Eiderstedt mit.

"Ich nehme die Sorgen und Ängste der Bevölkerung auf Eiderstedt sehr ernst. Daher haben wir uns im Rahmen des Wolfsmanagements dazu entschieden, die betroffenen Landwirtinnen und Landwirte in einem Pilotprojekt mit gezielten Herdenschutzmaßnahmen vor Ort zu unterstützen: Wir erhoffen uns so, weitere Erkenntnisse, die gegebenenfalls auch auf andere Landesteile übertragbar sind, im Umgang mit dem Wolf zu gewinnen", sagte Albrecht.

Seit Anfang Mai wurden im Kreis Nordfriesland insgesamt 43 potentielle Wolfsrisse gemeldet. Auf der Halbinsel Eiderstedt konnte in 24 Fällen ein Wolf zweifelsfrei nachgewiesen werden - davon sieben Mal ein Wolf aus Dänemark. In einem Fall wurde ein Hund nachgewiesen.

"Aufgrund der hohen Anzahl an Rissvorfällen war es wichtig, schnell Lösungsansätze zu finden, die der speziellen Weidetierhaltung auf Eiderstedt Rechnung tragen. Wir haben daher im Juni 2018 die erste Phase des Pilotprojektes eingeleitet", so Albrecht. Hierbei seien Herdenschutzmaßnahmen wie beispielsweise der Bau eines Schutzzaunes für die von Rissen betroffenen Tierhalterinnen und -halter gefunden und zeitnah in die Praxis umgesetzt worden. "Es war uns wichtig, eine möglichst umfangreiche Unterstützung in der Umsetzung der Schutzmaßnahmen seitens des Schleswig-Holsteinischen Wolfsmanagements zu bieten", ergänzte der Minister.

Betroffenen Landwirtinnen und Landwirten wird daher im Anschluss an ein Rissgutachten umgehend ein Beratungstermin durch eine Wolfsbetreuerin bzw. Wolfbetreuer angeboten. Dieser Termin dient nicht nur dazu, geeignete Herdenschutzmaßnahmen zu finden, um weitere Rissvorfälle zu vermeiden, sondern auch, um im direkten Kontakt Fragen zum Thema Wolf und Herdenschutz zu klären. "Die ehrenamtlichen Wolfsbetreuer machen hier einen tollen Job, der zum richtigen Umgang mit dem Wolf einen erheblichen Beitrag leistet. Das schleswig-holsteinische Wolfsmanagement gilt bundesweit als eines der fortschrittlichsten und in Bezug auf den Ausgleich entstehender Schäden großzügigsten", sagte Albrecht.

In der Regel wird zusammen mit den Nutztierhalterinnen und -haltern, eine geeignete Fläche ausgewählt, die wolfssicher eingezäunt werden kann. Diese Maßnahme ist auch Voraussetzung für den Erhalt eines finanziellen Schadensausgleiches bei einem Folgeangriff. Derzeit gilt ein vierzügiger Litzenzaun als geeignete und den naturräumlichen Gegebenheiten angepasste Herdenschutzmaßnahme. Die Gesamthöhe des Zaunes beträgt in etwa 90 bis 100 Zentimeter. Der Abstand der untersten Litze zum Boden beträgt 20 Zentimeter. Die Litzen müssen über mindestens 3500 Volt verfügen - wenn möglich sogar bis zu 5000 bis 6000 Volt. Bisher wurden etwa 80 Hektar Weidefläche auf Eiderstedt eingezäunt. Die Kosten für das benötigte Zaunmaterial einer 4 Hektar großen Fläche liegen bei etwa 1.500 Euro und werden vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) finanziert.

Das Zaunmaterial wird den betroffenen Landwirtinnen und Landwirten vom Land in Form sogenannter Herdenschutzpakete kostenfrei und leihweise zur Verfügung gestellt. Zudem wurden insgesamt 12 Foxlight Lampen an betroffene Tierhalter leihweise übergeben. Diese Lampen verfügen über einen eingebauten Lichtsensor und beginnen in der Dämmerung zu blinken. Raubtiere können so über einen gewissen Zeitraum von Weideflächen ferngehalten werden. Die Lampen werden als Überbrückungsschutz ausgehändigt, um sie einzusetzen bis die Einzäunung der Flächen vorgenommen werden kann. Bei zwei Betrieben wurde auch eine Nachtwache mit Unterstützung ehrenamtlicher Wolfsbetreuer durchgeführt, um weitere Risse in der Folgenacht zu verhindern.

"Mir ist bewusst, dass unser Angebot des Zaunbaus einigen Betroffenen noch nicht weit genug geht. Weitergehende Maßnahmen wie beispielsweise die Entnahme eines Tieres sind aber aufgrund der derzeitigen EU-Rechtslage nicht einfach so möglich", so der Minister.

Hintergrund:

Insgesamt befinden sich 193 Betriebe mit Schaf- und Rinderhaltung auf Eiderstedt. Im Mittel verfügt jeder der Betriebe über 16 Flächen von rund 4 Hektar Größe.

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