Ein Monat nach Betriebsaufnahme

Kreis zieht erste Bilanz zum Busverkehr

Nordfriesland (pa) - »Im ÖPNV und vor allem in der Schülerbeförderung läuft es inzwischen weitgehend stabil«, stellt Landrat Dieter Harrsen fest. »Viele Probleme der Schülerbeförderung konnten wir gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen lösen. Jetzt prüfen wir die weiteren Hinweise und Kritikpunkte der Fahrgäste im Einzelnen. Vermutlich werden wir den Fahrplan in den kommenden Wochen noch einmal an einigen Stellen nachjustieren und dauerhafte Kapazitätsengpässe beseitigen.«

Harrsen betont, dass es zu Beginn jedes neuen Schuljahres Anlaufschwierigkeiten gibt: Da die Schulen dann ihre Stundenpläne ändern, müssen Schüler und Fahrpläne sich anpassen. Dass der Schulstart nach den Sommerferien diesmal deutlich holpriger verlief als üblich, gehe auf mehrere Ursachen zurück:

Nachdem der Busverkehr und damit auch die Schülerbeförderung öffentlich ausgeschrieben wurde, befahren die zum Zuge gekommenen Verkehrsunternehmen teils andere Bediengebiete. Viele Fahrer sind auf Linien tätig, die sie anfangs noch nicht hinreichend kannten.

»Manche Bürger glauben, wir hätten nicht ausschreiben müssen, sondern alles so weiterlaufen lassen können wie bisher. Doch das war nicht möglich. Am Wettbewerb führte rechtlich kein Weg vorbei«, klärt Harrsen auf.

Der Kreis habe den Busverkehr in seinem Festlandsgebiet mit Bedacht auf drei Netze aufgeteilt, statt nur eines zu bilden: »Auch kleinere Wettbewerber sollten eine Chance bekommen. Doch es haben sich keine beworben. Wenn nur zwei Unternehmen Angebote einreichen, können natürlich auch nur die den Zuschlag erhalten.«

In diesem Zusammenhang ist der Kreis vielfach dafür kritisiert worden, dass er für das Netz Mitte die Rohde Verkehrsbetriebe GmbH beauftragt hat, die auch bei der Betriebsaufnahme im Kreis Schleswig-Flensburg erhebliche Probleme hatte.

»Das Ausschreibungsrecht gibt uns jedoch nicht die Möglichkeit, eine Firma aus diesem Grund abzulehnen: Wenn ein Unternehmen zusichert, alle Leistungen und Bedingungen der Ausschreibung zu erfüllen und den günstigsten Preis anbietet, muss es den Zuschlag erhalten«, erklärt Harrsen.

Durch den Wechsel von Unternehmen und Fahrern seien eingespielte Routinen, die bisher für ein gutes Zusammenspiel der Verkehre gesorgt haben, teilweise verloren gegangen und müssten erst neu erarbeitet werden.

Während der Betriebsstart zum 1. August noch zufriedenstellend verlief, kam es mit dem Schulbeginn am 12. August insbesondere im Netz Mitte zu zahlreichen Ausfällen, Verspätungen und Kapazitätsengpässen. Mehrere Busfahrer der Firma Rohde hatten sich überraschend krank gemeldet. Ab dem nächsten Tag sprangen Subunternehmer ein, deren Fahrern jedoch die Ortskenntnisse fehlten. Das führte erneut zu Verspätungen. Manche Kinder wurden sogar an der Straße stehengelassen.

»Das geht natürlich gar nicht. Wir haben gegenüber der Geschäftsführung deutliche Worte gefunden«, so Harrsen. Er erkennt an, dass das Unternehmen seitdem zahlreiche Missstände beseitigt hat, sieht aber immer noch weiteren Handlungsbedarf.

Die häufigsten Fragen der Fahrgäste an den Kreis beziehen sich, soweit es nicht um einzelne Linien geht, auf drei Themen: einen Entschädigungsanspruch, die Zulässigkeit von Stehplätzen in Schülerbussen und veraltete Fahrpläne an Haltestellen.

»Einen Anspruch auf Entschädigung für ausgefallene oder verspätete Fahrten haben Pendler unter bestimmten Bedingungen im Zugverkehr, aber nicht im Busverkehr. Dies ist im landesweiten SH-Tarif festgelegt«, erklärt der Verwaltungschef.

Einen Sitzplatzanspruch gebe es im Schülerverkehr nicht. In der Regel sehen die Fahrzeuge eine bestimmte Anzahl an Sitz- und Stehplätzen vor. Lediglich in den mancherorts ausnahmsweise eingesetzten Reisebussen seien keine Stehplätze vorgesehen. Die Busunternehmen haben die eingesetzten Fahrer beauftragt, Fahrgäste abzuweisen, wenn der Bus voll ist und die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann.

Da Hinweise von Bürgern immer noch vereinzelt zu kurzfristigen Fahrplananpassungen führen und die Aktualisierung der ausgehängten Fahrpläne mehr Zeit benötigt als die Unternehmen momentan haben, verweist der Landrat aufs Internet: »Alle aktuellen Fahrpläne stehen auf den Seiten der NAH.SH unter

Vereinzelte, seit Jahren kaum genutzte Fahrten sind weggefallen. »Dass die wenigen Fahrgäste auf diesen Strecken sie vermissen, ist nachvollziehbar. Insgesamt jedoch ist das Fahrtenangebot durch die neuen Rufbusse für viele Menschen deutlich ausgeweitet worden, insbesondere in den ländlichen Regionen«, unterstreicht Harrsen.

Vereinzelt erreichen den Kreis noch Hinweise auf Verkehrsverbindungen, die nicht zufriedenstellend funktionieren. »Das gemeinsame Ziel von Kreis und Verkehrsunternehmen ist ein stabiler und reibungsloser Busverkehr. Die Stellen, an denen es jetzt noch hakt, werden sobald wie möglich abgearbeitet«, verspricht der Landrat.

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