Kommunen betrachten sich mit Blick aufs Gemeinwohl

Gemeinden stellten sich auf den Prüfstand

Werner Schweizer (von links), GWÖ-Experte Christian Felber, Claus Lass und Peter Reinhold Petersen. Foto: Felix Middendorf

Breklum (mm) -  Nicht Gewinnmaximierung, sondern das Wohl des Menschen und der Umwelt sollten im Mittelpunkt allen wirtschaftlichen Handelns stehen. Kurz zusammengefasst ist dies der Kern einer offenbar auch international wachsenden Bewegung, die sich Gemeinwohlökonomie (GWÖ) nennt. Die Aktivregion Nordfriesland Nord sowie die Gemeinden Bordelum, Breklum und Klixbüll hatten jüngst zu diesem Thema ins Christian Jensen Kolleg eingeladen.

Im Vordergrund des Abends stand die Frage: „Gemeinwohl-Ökonomie - ein Instrument für Kommunen!?“ Die drei genannten Gemeinden beantworten diese eindeutig mit „ja“, wie im Lauf der mit 150 Gästen gut besuchten Veranstaltung deutlich wurde.

„Wirtschaftssystem steht auf dem Kopf“

Zum Auftakt erläuterte der österreichische Wirtschaftsreformer und Autor Christian Felber Details der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung, die er mitinitiiert hat. Seiner Ansicht nach „steht das jetzige Wirtschaftssystem auf dem Kopf“. Weltweit würden Konzerne nach immer mehr Umsatz und Gewinn streben und damit auch das Handeln von Gesellschaft und Politik unverhältnismäßig stark beeinflussen. Geld sei zum Selbstzweck geworden, erläuterte Felber. Seiner Ansicht nach gehörten stattdessen Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung in den Mittelpunkt allen Handelns. Geld solle dabei lediglich ein „Werkzeug“ sein, um diese Ziele zu erreichen.

GWÖ als Gegenmodell

Die GWÖ messe unternehmerische Erfolge anhand gemeinwohl-orientierter Werte und biete damit ein Gegenmodell zum herrschenden System, so Christian Felber weiter. Auch die politisch Handelnden erhielten andere Orientierungspunkte, wenn sie ihr Engagement konsequenter in den Dienst der Gemeinwohl-Idee stellten. Die Gesellschaft an sich solle angeregt werden, aus sich selbst heraus einen Systemwandel zu vollziehen - hin zu mehr Gemeinschaft und gegenseitiger Wertschätzung. Dies beziehe den Umgang mit unserer Umwelt und all ihren Lebewesen ein.

Gemeinden stellten sich auf den Prüfstand

Vor diesem Hintergrund stellten sich in den zurückliegenden Monaten drei nordfriesische Gemeinden auf den Prüfstand. Sie vollzogen eine Gemeinwohl-Bilanzierung, um den örtlichen Ist-Zustand festzuhalten. Bordelum, Breklum und Klixbull betrachteten dabei eigene Handlungsweisen: Wo beschaffen wir Strom, Büromaterial und andere Dinge? Wie werden diese produziert? Wie sind die Arbeitsbedingungen bei Lieferanten? Oder mit dem Blick nach innen: Wie ist das Arbeitsklima in kommunalen Einrichtungen? Haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beispielsweise ausreichende Möglichkeiten zur Weiterbildung?

Wichtige Denkanstöße erhalten

„Die GWÖ-Bilanzierung hat bei uns einiges angestoßen“, berichtete Bordelums Bürgermeister Peter Reinhold Petersen. „Als Gemeinde sind wir schon lange konsequent mit dem Ziel unterwegs, Ökonomie und Ökologie zusammenzubringen. In der Betrachtung hat sich zu meinem Erschrecken aber gezeigt, dass wir unseren Strom aus Quellen beziehen, die zu 60 Prozent Atomstrom beinhalten. Ein gutes Beispiel dafür, dass sich Dinge verändern und verbessern lassen.“ Für Claus Lass, Bürgermeister in Breklum, ist eine zentrale Erkenntnis, „dass wir als Gemeinde losgehen und etwa bei Dienstleistern oder Lieferanten Fragen stellen können. Wenn dort deutlich wird, dass wir unter anderem Wert auf Nachhaltigkeit legen und dies ein Kriterium für die Vergabe ist, dann trägt sich dieser Gedanke weiter.“

„Ohne Nachhaltigkeit keine Zukunftsfähigkeit“

Unzählige weitere Punkte kamen bei der GWÖ-Bilanzierung auf den Prüfstand. Dies alles mündete schließlich in der Übergabe von Testaten, in denen festgehalten wurde, wie die Gemeinden bisher aufgestellt sind. Für alle drei Kommunen soll damit der Grundstein für künftiges Handeln gelegt werden. „Ohne Nachhaltigkeit keine Zukunftsfähigkeit“, brachte es Klixbülls Bürgermeister Werner Schweizer auf den Punkt.

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