Kranke Aale in die Schlei ausgesetzt

NABU: Behörden bleiben bei Besatzmaßnahmen untätig

Symbolfoto: fotolia

Schleswig/Neumünster (mm) - Die seit vielen Jahren zur Bestandsstützung in der Schlei ausgesetzten jungen Aale sind zu einem großen Teil mit einem gefährlichen Herpesvirus infiziert. Dies geht aus einer bereits im Jahre 2017 veröffentlichten Studie von Fischforschern der Uni Hamburg hervor. Die Studie liegt den zuständigen Landesbehörden vor, blieb bisher aber offenbar folgenlos, heißt es in einer Pressemitteilung des NABU Schleswig-Holstein. Das Ausbringen infizierter Fische ist streng verboten.
Alljährlich setzen Angelvereine und Schleifischer - gefördert durch die Fischereiabgabe des Landes Schleswig-Holstein und den Fischereifonds der Europäischen Union – viele Tausend junge Aale in der Schlei aus. Die natürliche Vermehrung des Aals reicht längst nicht mehr aus, um einen befischbaren Bestand zu sichern. Die ausgesetzten Jungaale werden zuvor in Zuchtanlagen einige Wochen oder Monate lang gehältert. Dabei werden sie offenbar – absichtlich oder unabsichtlich – mit einem Herpesvirus infiziert. Das Virus kann Aale in Stresssituationen wie Futtermangel, Wasserverschmutzung oder Wärme töten. Auch ist unklar, ob die mit dem Virus infizierten Aale die 6.000 Kilometer weite Rück-Wanderung zu ihrem Laichgebiet im Atlantik vor der Küste Floridas noch zurücklegen können.
Daher ist es nicht nur unsinnig, sondern auch gesetzlich verboten, infizierte Jungaale in die Natur auszubringen. Die Fischereiforscher der Uni Hamburg stellten jedoch fest, dass kranke Aale ausgebracht wurden und dass seit dem Beginn der Besatzmaßnahmen in der Schlei die Infektionsrate der Aale im Freiland von null auf über 60 % gestiegen ist.
NABU-Geschäftsführer Ingo Ludwichowski: „Der Aal ist durch Überfischung und Gewässerzerstörung bereits europaweit bedroht. Es ist unverantwortlich, dass bei Besatzmaßnahmen gefährlich infizierte Fische in natürliche Ökosysteme gelangen, und dabei womöglich auch noch die letzten natürlich vorkommenden Aale anstecken.“ Rainer Borcherding, Biologe beim NABU Schleswig, ergänzt: „Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass trotz klarer gesetzlicher Regelungen und eindeutiger wissenschaftlicher Fakten nicht sofort etwas unternommen worden ist. Es nützt doch niemandem etwas, wenn die Aale in der schon schwer geschädigten Schlei noch künstlich mit Krankheiten infiziert werden. Das muss nicht nur abgestellt, sondern auch geahndet werden.“ Der NABU fordert das Fischereiministerium in Kiel auf, das Aussetzen infizierter Fische - wie gesetzlich gefordert - zu unterbinden und zukünftig vor der Aussetzung von Aalen regelmäßig Kontrollen auf Krankheiten durchzuführen. Zudem ist von den Behörden ggf. europaweit zu prüfen, ob an weiteren Gewässern in und außerhalb von Schleswig-Holstein kranke Tiere ausgesetzt worden sind.
Der Aal ist ein zwar bekannter, aber in vielen Punkten noch mysteriöser Fisch. Alle Aale Europas und Amerikas stammen aus der über 6.000 Meter tiefen Sargassosee vor der Küste Floridas. Von dort kommen die Aallarven, die zwei Jahre lang bis an Europas Küste wandern und hier in die Flüsse aufsteigen. Der Aal kann sich bei Regen weit über Land schlängeln und abgelegene Seen und Teiche erreichen. Nach Jahren oder Jahrzehnten entscheidet er sich, zurück in die Sargassosee zu wandern, um Eier zu legen. Die Paarung und Eiablage der Aale in der Tiefsee sind noch niemals beobachtet worden.
Seit Jahrzehnten werden die vor Westeuropa eintreffenden Aallarven gefischt und teils für die Fischzucht genutzt, teils aber auch als Delikatesse nach Asien verkauft. Fischerei, Wasserverschmutzung und Kraftwerke an Flüssen töten viele Aale, so dass es unsicher ist, ob dieser faszinierende Fisch in wenigen Jahrzehnten noch existieren wird.

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