Sie hat sich mit Mut in Husum ein neues Leben aufgebaut

Mshlin Dahdal ist Emma-Carstensen-Preisträgerin 2022

Die Jury und die diesjährige Preisträgerin des Emma-Carstensen-Preises: Eugenie Sibbersen, Angelika Zöllmer-Daniel, Siegfried Carstensen, Flora Büttner, Mshlin Dahdal, Angela Reinhard, Marianne Carstensen, Meike Hansen, Susanne Weber-Nehl und Britta Rudolph. Foto: Klein

Husum (hk) – Mshlin Dahdal ist eine der Frauen, die sich nach der Flucht allen Widerständen zum Trotz mit Mut und Energie in Husum ein neues Leben aufbaut – und sie ist die diesjährige, von einer Jury ausgewählte Preisträgerin des mit 1.000 Euro dotierten Emma-Carstensen-Preises.

Nachdem die Syrerin 2015 gemeinsam mit ihren beiden Kindern aus Angst vor dem Tod ihre hart erarbeitete Eigentumswohnung, ihren Job, ihre Freunde und sogar ihre Familie verließ, musste sie bei ihrer Ankunft in Deutschland schnell erkennen: Willkommen sein ist das eine, die deutsche Bürokratie ist etwas ganz anderes. „Dafür musste ich viel Zeit und Kraft investieren.“ Weder ihr Fachabitur noch ihre Ausbildung im Tourismusbereich wurden anerkannt.

„Aber Erzieher werden immer gebraucht. Daher habe ich entschieden, Erzieherin zu werden.“ Doch so einfach ging auch das nicht. Die alleinerziehende Mutter besuchte Sprachkurse, absolvierte Prüfungen bis hin zum C1-Zertifikat, machte einen Bundesfreiwilligendienst bei Max und Milla und kämpfte dafür, dass ihre Tochter und ihr Sohn aufs Gymnasium kamen. Sie selbst hat gerade im Rahmen ihrer Ausbildung zur Erzieherin ein Praktikum im Rödemisser Kindergarten abgeschlossen. „Heute war mein letzter Arbeitstag, die Kinder waren zufrieden“, freut sie sich über deren Bewertung. Darüber hinaus engagiert sich die 41-Jährige ehrenamtlich als Dolmetscherin.

„Ich habe ihre Trauer darüber gespürt, dass ihre berufliche Ausbildung und ihre Karriere hier nicht gewürdigt wurden“, erinnert sich Marianne Carstensen an ihre Integrationskurs-Teilnehmerin. Aber, um Fuß zu fassen, sei sie neue Wege gegangen. „Mich hat das Kämpferische beeindruckt, dass sie sich nicht hat unterkriegen lassen.“ Oder, wie Mshlin Dahdal ihr Lebensmotto selbst beschreibt: „Scheitern bedeutet nicht, dass man eine bestimmte Situation nicht erfolgreich überwunden hat, sondern Scheitern ist, wenn man aufgibt.“

Stattdessen hat sie – wie viele Schicksalsgenossinnen – Standhaftigkeit bewiesen. „Die geflüchteten Frauen erleben ein ständiges Hinfallen und Wiederaufstehen“, schildert Meike Hansen von der Beratungsstelle Frau & Beruf ihre Erfahrungen mit Frauen, die hier eine Kinderbetreuung organisieren, eine neue Schrift und Sprache lernen und sich zugleich eine neue Perspektive für ihr Leben aufbauen müssen.

Um ihre Geschichten, ihre Kraft und ihre Visionen sichtbar zu machen, haben Marianne und Siegfried Carstensen den an die Lebensleistung von Emma Carstensen erinnernden Preis gestiftet. Und der stelle „ganz bewusst keine Wertschätzung für geschmeidige Anpassung“ dar, betont die Gleichstellungsbeauftragte Britta Rudolph. Ganz im Gegenteil zeichnet er Frauen aus, die einen Status-Verlust mit einer Neuorientierung beantworten, die sich Bildung und berufliche Ziele erstreiten, die sich bewusst mit ihrer Herkunft und Migration auseinandersetzen, um auch innerlich in ihrer neuen Heimat anzukommen. Frauen wie Mshlin Dahdal und wie ihre Vorgängerin Eugenie Sibbersen. Diese hat den Preis als Wertschätzung empfunden, „als ein kleines Pflaster für all die Schmerzen, die noch in mir sind.“

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