Von Wölfen, Gänsen und der Agrarwende

Neujahrsempfang beim Kreisbauernverband Husum-Eiderstedt mit zahlreichen Gästen

Fröhliche Stimmung beim Neujahrsempfang: Bürgervorsteher Martin Kindl, Thomas Hansen (stv. Vors. Bauernverband Husum-Eiderstedt), Klaus Jensen (MdL), Margret Albrecht (KreisLandFrauenverband NF), Astrid Damerow (MdB), Melf Melfsen (Vorsitzender, Bauernverband Husum-Eiderstedt), Ute Volquardsen (Schleswig-Holsteinische Landwirtschaftskammer), Oliver Kumbartzky (MdL), Ingbert Liebing (Staatssekretär), Boris Fridriszik (Geschäftsführer, Bauernverband Husum-Eiderstedt), Bürgermeister Uwe Schmitz, Manfred Uekermann (stv. Landrat). Fotos: Eggers

Melf Melfsen, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Husum-Eiderstedt, begrüßte zahlreiche Gäste zum Neujahrsempfang.

Husum/NF (ge) – Beim Neujahrsempfang des Kreisbauernverbandes Husum-Eiderstedt konnte dessen Vorsitzender Melf Melfsen neben Vertretern der Landwirtschaft (u.a. Ute Volquardsen, Präsidentin der schleswig-holsteinischen Landwirtschaftskammer) zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft im „Hotel Osterkrug“ begrüßen – darunter Manfred Uekermann (stellvertretender Landrat des Kreises Nordfriesland), Astrid Damerow (MdB, CDU), Staatssekretär Ingbert Liebing, Klaus Jensen (MdL, CDU) und Oliver Kumbartzky (MdL, FDP, Vorsitzender des Umwelt- und Agrarausschusses des schleswig-holsteinischen Landtags).
Die zahlreichen Redebeiträge waren von dem Begriff „Agrarwende“ durchzogen, der aufgrund vieler offener Fragen als große Herausforderung wahrgenommen wird – mit Chancen und Befürchtungen. In vielen Beiträgen wurden die Bedeutung der Landwirtschaft für die Klimaschutzmaßnahmen und die Problematik „Ausgleichsflächen“ thematisiert. Besonders emotional wurde über das Thema „Wolf“ gesprochen, nachdem in Norddeutschland bereits zahlreiche Schafe diesem zum Opfer gefallen waren. Manfred Uekermann, Astrid Damerow und Oliver Kumbartzky sprachen sich dafür aus, konsequentere Maßnahmen gegen die Gefahr durch Wölfe zu ergreifen.
Auch die „Afrikanische Schweinepest“ stellt weiterhin eine Bedrohung für die Landwirtschaft dar – mit 250.000 potentiell betroffenen Schweinen. Hierzu habe der Kreis Nordfriesland intensive Vorbereitungen getroffen, so Uekermann. Des Weiteren beschäftigt den Bauernverband die steigende Gänsepopulation, die Fraßschäden verursacht, die laut Thomas Hansen (stellvertretender Vorsitzender des Bauernverbandes Husum-Eiderstedt) „vernünftig entschädigt“ werden sollten.
Astrid Damerow (CDU) kündigte Nachbesserungen beim Agrarpaket der Bundesregierung an, bevor dieses vom Bundestag beschlossen wird.

Bauernverbandsvorsitzender Melf Melfsen erinnerte in seiner Rede an die Schlepperdemonstrationen in Rendsburg, Hamburg und Berlin, mit denen die Bäuerinnen und Bauern zeigen wollten: „wir sind noch da und nehmt uns mit“. Groß sei die Unsicherheit, was mit Begriffen wie „Agrarwende“ gemeint sei. „Eine Agrarwende ohne Betrachtung der marktwirtschaftlichen Begebenheiten, die nur auf ideologische Ziele abhebt, kann hier keine Grundlage sein“, bekräftigte Melfsen. Er betonte, dass Landwirte offen für Veränderungen seien, aber dies müsse auf Augenhöhe erfolgen. Mit den Werkzeugen der sozialen Marktwirtschaft solle für entsprechende Rahmenbedingungen gesorgt werden. „Sorgen Sie dafür, dass Klimaschutzmaßnahmen nicht durch Naturschutz- und Ausgleichsgesetzgebung torpediert werden“, so Melfsens Bitte an die Politiker im Land und im Bund. Die Landwirtschaft könne „DER Partner“ zum Erreichen der Klimaziele sein, aber dazu sollte auch den Biogasanlagen, die in drei bis vier Jahren aus der EEG-Vergütung fallen, eine Zukunft gegeben werden.
Melfsens Stellvertreter Thomas Hansen sprach Probleme mit der wachsenden Gänsepopulation an: Wenn diese gesellschaftlich gewollt sei, dann müssen die betroffenen Flächen auch vernünftig entschädigt werden. Beim Thema „Wolf“ sprach Hansen von einem „Blutrausch“ im Dithmarscher Raum: Dort sind 15 Schafe auf einer Fläche gerissen worden, bevor der Wolf „angeblich in Richtung Dänemark“ weiter zog. „Hier muss eine bessere Lösung her.“ Hansen lobte, dass der Kreis Nordfriesland 5.000 Euro für die Saat von Blühstreifen (reicht für ca. 100 ha) zur Verfügung gestellt habe. Dies wolle man gerne in diesem Jahr wiederholen.
Manfred Uekermann (stellvertretender Landrat) hob die Wichtigkeit des intensiven Austausches zwischen Politik und Landwirten hervor, um gemeinsam dafür zu sorgen, dass „unsere Natur erhalten bleibt“. Er sprach die Bedrohung durch die Afrikanische Schweinepest an, die immer näher rücke und von der 250.000 Schweine bedroht wären. Auch wenn man nicht hoffe, dass diese in Nordfriesland ankomme, habe der Kreis Nordfriesland sich auf den Fall der Fälle intensiv vorbereitet. Uekermann kritisierte die Vorstellungen von „Naturromantikern in den Städten“, die denken, man könne alle Schafe vor Wölfen schützen, indem man sie einzäune. „Man stelle sich einmal die Länge eines Zaunes vor, der dieses sicherstellen solle.“ Von einem solchen Zaun wären wiederum viele andere Tiere betroffen. „Meiner Meinung nach gehört der Wolf ins Jagdrecht“, machte Uekermann deutlich.
Astrid Damerow (MdB, CDU) stellte klar, dass das im vergangenen Jahr vorgelegte Agrarpaket der Bundesregierung noch nicht beschlossen sei. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion sei sich einig, dass „das Papier das Parlament nicht so verlassen wird, wie es hineingekommen ist.“ Bei der Düngeverordnung und dem Insektenschutz werde es noch schwierige Verhandlungen geben. Damerow betonte die Notwendigkeit einer weitgehenden Diskussion über eine Agrarwende mit klar definierten Zielen.
Beim Thema „Wolf“ sei „ein erster und guter Schritt“ gegangen worden, doch: „Wir sind noch nicht da, wo wir hinkommen wollen“. Damerow rief die Landwirte dazu auf, Möglichkeiten zu nutzen, um mit Politikern ins Gespräch zu kommen.
Bürgervorsteher Martin Kindl sprach über Husum als „prosperierende Stadt“ mit den Schwerpunkten „Tourismus“ und „Wachstum“. Er hob das Projekt „Fairtrade Town“ hervor, das auch eine Hinwendung zu regionalen landwirtschaftlichen Produkten bedeute.
Staatssekretär Ingbert Liebing (CDU) machte den Wandel der Landwirtschaft daran deutlich, dass im Jahr 1900 noch fünf Menschen von einem Bauern ernährt worden sind, während heute „155 satt gemacht werden“. Nun müsse man die Frage stellen, wohin man sich in Zukunft entwickeln wolle. Oliver Kumbartzky (MdL, FDP, Vorsitzender des Umwelt- und Agrarausschusses des schleswig-holsteinischen Landtags) empfindet das „Bauern-Bashing“ als erschreckend. Er findet es gut, dass die Bauern auf die Straße gehen und sich viele Menschen mit ihnen solidarisieren. Das Thema „Wolf“ beängstige ihn als Dithmarscher sehr stark: „Ich habe Männer erlebt, die den Tränen nahe waren.“ Kumbarzky sprach sich für pragmatische Lösungen und die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht aus.
Es folgten weitere Redebeiträge von Ute Volquardsen (Präsidentin der schleswig-holsteinischen Landwirtschaftskammer), Margret Albrecht (KreisLandFrauenverband Nordfriesland), Thomas Holst (IHK Flensburg), Jan-Ove Knudsen (Studienleiter der landwirtschaftlichen Abteilung der Beruflichen Schule in Niebüll) sowie von Vertretern der Kreditinstitute und der Wirtschaft, in denen in vielfältiger Weise den nordfriesischen Landwirten Unterstützung und die besten Wünsche für das Jahr 2020 ausgesprochen wurden.

Sehen Sie dazu unsere Bildergalerie unter:

www.nf-palette.de/galerien/bildergalerien/galerie/1.html

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